Vom Manuskript zum Buch…
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28
Mar

Anne Fadiman: “Ex Libris”

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Buchrezension: Anne Fadiman: “Ex Libris” – Bekenntnisse einer Bibliomanin

Grandiose Anekdoten aus dem bibliophilen Leben. Was passieren kann, wenn zwei Bibliomanen ihre Bibliotheken zusammenlegen (heiraten), ist nur der Anfang einer ganzen Reihe amüsanter bis nahezu abartiger Lebens- und Büchergeschichten.

Der Ehemann der Autorin dachte ernsthaft an die Scheidung, als sie ihm erklärte, daß mehrere Werke eines Autoren chronologisch zu sortieren seien… Ihre Mutter hütet eine Sammlung von mehreren hundert Stilblüten, Druckfehlern und grammatikalischen Grausamkeiten – alles Zeitungsausschnitte aus der Fort Myers News Press… ^^ Ihr Vater ist Wally, der Wortwurm und die Autorin selbst hat einen gewissen Hang zur Pedanterie, welcher, zumindest in geschriebener Form, zur allgemeinen Erheiterung beiträgt.

Erfreulich fand ich das Kapitel über Wahre Weiblichkeit. Nach der Lektüre von Der Spiegel wahrer Weiblichkeit – ein Leitfaden für die Frau unserer Tage (vor 1886) erkennt Anne Fadiman, daß der Autor – Pater O’Reilly – nicht etwa aus selbstgefälligem Macho-Gehabe heraus schreibt, sondern aus bloßer Angst… Eine “Verklärung des heimischen Herds”, zum Zufluchtsort stilisiert. Ein sehr hübscher Umgang mit unserer (literarischen) Vergangenheit. Denn moderne Frauen pochen ja auf das uns nur zu bekannte Innen, dem Fadiman gleich ein ganzes Kapitel gewidmet hat. Lobend erwähnt sie die englische Abkürzung Ms., da ja nun wirklich keiner auf den ersten Blick weiß, ob eine Frau nun verheiratet oder unverheiratet ist. Auf dem Feld der Geschlechterpolitik für die Autorin ein eindeutiger Sieg. Ganz im Gegenteil zu nahezu allen anderen Schwachsinnigkeiten, die jene in schriftlicher Form mit sich brachte! “Allein die Wahl der Mittel schmerzt”. Und wie recht sie hat!

“Mein reaktionäres Ich meldet sich jedoch zu Wort, wenn grammatische Schimären wie SchriftstellerInnen mein Auge beleidigen, ganz davon zu schweigen, was ich empfinde, wenn ich mir auszumalen versuche, wie man so etwas wohl korrekt auszusprechen hätte. Unbegreiflich finde ich die Feminisierung oder gar Pluralisierung des armen
Jedermann (was hätte Hugo von Hofmannsthal wohl dazu gesagt?), und noch unverständlicher ist mir das Eifertum, das in seinem blindwütigen Furor dem harmlosen Indefinitivpronomen man ein frau als gleichwertig zur Seite stellen will. Mein Kopfschütteln über die bildungsferne Gleichsetzung eines Indefinitivpronomens mit einem Substantiv wird jedermann (jawohl!) einsichtig sein, bedenkt man (jawohl!), daß ich als Zehnjährige zu Hause ermahnt wurde, nicht die hoi polloi zu sagen, sondern hoi polloi, da hoi bereits das Demonstrativpronomen im Nominativ Plural ist und die hoi polloi somit eine pleonastische Bildung wäre, vergleichbar mit der in deutschen Amtsstuben und Personalbüros beliebten KW-Woche [auch ABM-Maßnahme (Anm.)] oder den Lexikas mit ihrem Doppelplural – sprachlichen Betriebsunfällen, wie sie hoi polloi regelmäßig unterlaufen.” (Fadiman, S. 92)

Ich muß zugeben, mit genau dieser Textstelle hat die Autorin bei mir einen großen Pluspunkt geerntet, glaubte ich doch die letzten Jahre über, das einzige weibliche Wesen zu sein, das diesen schriftlichen Emanzipationsabfall als Unfug erachtet.

Insgesamt eine sehr unterhaltsame und leichtgängige Lektüre. Sehr zu empfehlen! Rating: ★★★★★

25
Mar

Die Galanacht des Schuettelreims

categories Inspirationen, Tipp! | wong it!    

Hey, DAS war ein Spaß! Die Galanacht des Schüttelreims im Theater am Alsergrund war deutlich amüsanter als erwartet. Christoph Krall, Ludwig Müller und Simon Pichler gaben Schüttelreime in allen Formen und Variationen zum Besten, natürlich unter wissenschaftlichen Aspekten – denn unter dem Gesichtspunkt der Permutation läßt sich aus jedem Satz eine schier unendliche Anzahl an Kombinationen erstellen, wenngleich auch ein großer Prozentsatz frappierende Ähnlichkeit mit sinnlosen Buchstabenkombinationen aufweist… Herrlich war ja die Schüttelreimumsetzung allbekannter Sprichworte. Beispielsweise “Wer anderen eine Grube gräbt…”:

“Wer anderen in die Truhe schifft,
oft nur die eignen Schuhe trifft!”

Ist eigentlich jede Alliteration per se ein Schüttelreim? Wie auch immer, der gestrige Abend war Kabarett vom Feinsten – und Hommage an eine vernachlässigte Gedichtform. Leider hab ich mir den Schüttler mit dem Lemming und Hemingway nicht gemerkt – könnte mir den bitte jemand schicken? – Herzlichen Dank!

Ach ja, eine kleine Aufgabe der Mitglieder des “Vereins der Freunde des Schüttelreims – mit Sitz in Vaduz” war ja ein Schüttelreim auf “Ludwig Müller”… -> “Mutig will er”? Ich weiß, kein reiner Schüttelreim, aber ein Anfang!

Für alle Schüttel-Süchtigen auf jeden Fall ein MUSS! Die nächste Galanacht kommt bestimmt, bis dahin hilft vielleicht schuettelreime.at über die Durststrecke.

Frohes Schütteln!

22
Mar

Robert Pucher: “Kater-Fruehstueck”

categories Buchrezensionen, Inspirationen, Tipp!, Wien | wong it!    

Buchrezension: “Kater-Frühstück” von Robert Pucher.

Daniel Reichenbach ist wirklich arm – als erfolgloser Autor bekommt er wieder einmal eine Absage von Verlagsassistentin Monika Strauch. Die Szene, die er ihr dabei am Wiener Türkenschanzplatz macht bleibt allerdings nicht ganz ohne Folgen. An den Grenzen seiner nervlichen Belastbarkeit schafft er es noch in sein Stammbeisl und verbringt die Nacht, wie so oft, mit diversen Alkoholika. Als er dann am nächsten Morgen die schändlich zugerichtete Leiche Monika Strauchs in seiner Badewanne findet, beginnt Reichenbach völlig an den Resten seines Verstandes zu zweifeln. Hatte er das getan? Wie auch immer, die Leiche musste weg, schließlich kam am Nachmittag seine Frau nach Hause… Als eine Woche später auch noch die Cheflektorin des Verlages nicht unbedingt lebendiger aufgefunden wird, steckt Reichenbach ziemlich in der Klemme. Ob ihm seine Schwester Dr. Simone Reichenbach, ihrerseits Leiterin des Referats 1, Kapitalverbrechen, noch helfen kann?

Ein Krimi, wie er im Buche steht! Spannend und hervorragend geschrieben. Mit viel Humor – und viel zu wahr um schön zu sein – schildert Robert Puchert das Leben des Nicht-Gerade-Bestseller-Autoren Daniel Reichenbach. Was Erfolglosigkeit, Zweifel und Hadern aus einem Menschen machen können bleibt bis zum letzten Satz der rote Faden der Geschichte, die sich durchweg in Wien abspielt. Mit Kater Vincent in einer tragenden Rolle… Ich persönlich bin ja noch schwer begeistert von der Verknüpfung aller Handlungsstränge; die verschiedenen Ebenen der Geschichte werden jeweils durch eine “eigene Sprache” lebendig, das Buch hat eine mitreißende Dynamik. Herzlichen Dank, Herr Pucher!

Sehr schön! Rating: ★★★★½

Ps: Der Cover-Kater hat frappierende Ähnlichkeit mit meinem Kater Jakob… ;)

21
Mar

Jokers Lyrik-Preis (noch bis 31. Maerz 2007)

categories Kalender, Tipp!, Wettbewerbe | wong it!    

Hab’ grad meinen Beitrag zum Jokers Lyrik-Preis eingesandt. Noch bis zum 31. März haben alle Schreiberlinge die Möglichkeit, an dem Poesiewettbewerb teilzunehmen. (Tipp für weniger Erfahrene: etwas weiter unten auf der Seite findet sich ein grün hinterlegtes Feld “Tipps und Tricks” – einfach mal reinlesen und das Wichtigste übers “Dichten” erfahren!)

20
Mar

Read, Register, Release!

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Mal wieder ein netter Tipp: Book Crossing. Book Crossing ist eine Internetplattform, die über die letzten Jahre stetig gewachsen ist. Es geht darum, gelesene Bücher “auszusetzen”, sie anderen Menschen zugänglich zu machen und dennoch immer zu wissen, wo es jetzt ist (vorausgesetzt, der Finder meldet sich ebenfalls wieder bei bookcrossing.com).

Read, Register, Release – Lesen, Registrieren, Freilassen!

Die Registrierung auf bookcrossing.com ist gratis. Ebenso bekommt man Labels für die auszusetzenden Bücher in verschiedenen Designs gratis zum Download, diese auch in vielen Sprachen. Book Crossing Zones sind bereits in den USA und ganz Europa zu finden, in Wien sind es neun nur im 1. Bezirk – und mir fallen auch spontan noch drei gute Plätze ein, an denen ein ausgesetztes Buch schnell einem Finder begegnet.

Book Crossing ist eine schöne Idee für all die Bücher, die nur einmal gelesen im Regal stehen und dort nur Platz wegnehmen. Und außerdem: “wat den een sin uhl is den andern sin nachtigall”!

Zur Seite selbst: sie ist übersichtlich und verständlich aufgebaut, Seitensprache ist Englisch, es gibt aber deutschprachige Varianten: bookcrossing.de, bookcrossing.at sowie eine deutschsprachige Supportseite auf der alles Wichtige erklärt wird. Dort findet sich auch folgendes: “Inzwischen sind Verleger und Schriftsteller in den USA große Fans von BookCrossing. Sie haben erkannt, daß dieses Projekt den Buchmarkt belebt, sie eher unterstützt anstatt Nachteile zu bringen. Ein bei deutschen BookCrossern beliebter Slogan sagt: “Regalhaltung von Taschenbüchern ist Literaturquälerei” … ”

caution! book crossing!

Im Prinzip ist Book Crossing auch eine gute Möglichkeit, eigene Texte in Umlauf zu bringen und Werbung für z.B. Book-on-Demand-Titel zu machen. Oder eben eines der Freiexemplare, die Autoren in der Regel zustehen, aussetzen und online verfolgen, was mit den Buch passiert.

17
Mar

Trigami

categories Marketing, Tipp!, Websiterezensionen | wong it!    

Neulich bin ich – eigentlich durch Zufall – auf trigami gestoßen. Klingt EXTREM spannend! Registriert hab ich mich auch schon und warte nun auf meinen ersten Auftrag.

Was ist trigami genau? Ich zitiere mal aus den FAQ: “trigami ist ein Meinungs-Marktplatz und eröffnet Blogs als Marketingkanal. Unternehmen können über trigami Produkt-Rezensionen bei Bloggern in Auftrag geben, welche dann in redaktioneller Freiheit von den Bloggern verfasst und veröffentlicht werden. werden und damit ehrlicher und glaubwürdiger sind.”

Man bekommt als neue Produkte die man auf Herz und Nieren testen kann und darüber dann eine Rezension schreibt. Und dafür bekommt man dann sogar auch noch Geld! Es gab in der Vergangenheit schon einige sehr nette Aufträge und eine lange Wunschliste, die von Seiten der trigami-Betreiber gehegt und gepflegt wird. Diese kümmern sich nämlich sehr um ihre User. Ich hab mir gleich mal Bücher und sonstige Verlagsangebote gewünscht… ;)

Am besten klickt Euch selbst rein… Ich bin soweit schon sehr begeistert!

13
Mar

Salon du Livres 2007

categories Buchmesse, Schreiber-Alltag, Termine | wong it!    

Fast zeitgleich mit der Leipziger Buchmesse findet vom 23. bis 27. März die Pariser Buchmesse statt.

10
Mar

“For all seasons”

categories Inspirationen, Internet, Softwarerezensionen, Tipp! | wong it!    

Erinnerungen und Jahreszeiten – wundervoll umgesetzt in einer interaktiven textbezogenen Darstellung. Die Worte zerfallen in Buchstaben, in die Elemente der Geschichte selbst und laden den Betrachter ein, mit ihnen zu spielen.

Einfach das Programm herunterladen, starten und staunen… (Für Mac und Win)

8
Mar

Natalie Goldberg: “Schreiben in Cafes”

categories Buchrezensionen | wong it!    

Tja, vom Titel magisch angezogen, konnte ich neulich nicht umhin, mir für einen Büchergutschein “Schreiben in Cafés” zuzulegen. Ich muß zugeben, ich wollte das Buch schon länger haben, hatte mich aber nicht wirklich über dessen Inhalt informiert. Irgendwie war ich davon ausgegangen, daß Bücher aus dem Autorenhausverlag gut sein müssen… So war ich also auch etwas überrascht, einen Ratgeber über kreatives Schreiben in der Hand zu halten. Nun gut, schaden kann es ja nicht, dachte ich mir und las fröhlich drauf los.

Natalie Goldberg ist der Meinung, jeder könne schreiben, wenn er es nur wollte. Prinzipiell ist da ja nichts gegen einzuwenden. So berichtet die Autorin an vielen Stellen von Schreibkursen, die sie immer wieder an unterschiedlichen Einrichtungen gibt. Die meisten davon irgendwo im mittleren Westen der USA. Außerdem kreisen einige andere ihrer Berichte um eine einmonatige Europareise, die sie mit einer – ebenfalls schreibenden – Freundin unternommen hat. Schreiben verbindet; man sollte sich generell an Autorenstammtischen, etc. beteiligen und Erfahrungen austauschen. Es kann ja nicht angehen, daß Autoren immer nur alleine daheim säßen und schrieben. Aber schreiben muß man schon jeden Tag. Das ist sicher. Ihr Vorschlag sind Unmengen billiger Spiralbücher, von denen man dann am besten so wie sie jeden Monat eines vollschreibt. Fleiß und Übung, und schon kann jeder schreiben. “Und wenn das Buch nicht veröffentlicht wird, dann schreiben Sie halt das nächste.” Und wenn man so keine Fortschritte macht, dann muß man eben seinen Job kündigen um mehr Zeit zum Schreiben zu finden… Ok, das letzte war jetzt etwas überspitzt, aber das Buch kann man durchaus so verstehen. Goldberg macht allen Mut, auch allen, die überhaupt kein Talent haben, sondern einfach nur schreiben wollen. Egal aus welchem Grund, aber den sollte man doch gelegentlich mal überdenken. Ich finde einige der Vorschläge oder Ideen etwas übertrieben euphorisch, andere halte ich für schwer durchführbar. Aber möglicherweise ist im Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten einfach alles machbar. Die Texte sind sehr amerikanisch koloriert, mit herben Einschlägen aus dem Zen-Buddhismus, untermauert mit unzähligen Zitaten des Zen-Meisters Dainin Katagiri Roshi, bei dem die Autorin Anfang der 80er in die Lehre ging. Ein wenig erinnert das Buch stilistisch an jene von Bärbel Mohr, aber [zynismus] ich weiß noch nicht, wo ich jetzt eine neue Schreibmaschine und das passende Talent bestellen soll. Kann man das auch verschenken? [/zynismus]

Das eigentliche Kapitel über das Schreiben in Cafés ist immerhin 5 Seiten lang, wovon eine Seite über Goldbergs Aufenthalt in einer Hütte im Norden von Minnesota handelt. ^^ Ein dagegen sehr beruhigendes Kapitel fand ich ja dasjenige über Raum zum Schreiben. Zitat: “Es ist selbstverständlich, daß im Arbeitszimmer aufgeschlagene Bücher, mindestens eine Tasse mit einem alten Teerest, herumfliegende Zettel, Stapel von unerledigter Post, angebrochene Keksschachteln und einzelne Schuhe zu finden sind. … Zen-Lehrer sind der Meinung, daß unsere Räume etwas über den Geist seiner Bewohner verraten. … Es gibt Menschen, die sich vor dem leeren Raum fürchten; … Es ist vergleichbar mit unerer Angst vor geistiger Leere, die dazu führt, daß wir ständig Gedanken und Dramen entwickeln.” Jetzt hab ich wenigstens eine valide Ausrede für das schreckliche Chaos, das immer bei mir herrscht…

Für Jungautoren oder Hobbyschreiber ist das Buch gut, es enthält viele Übungen und nützliche Tips. Erfahreneren Schriftstellern hilft es damit sicher auch aus einem langanhaltendem Writer’s Block. Es ist sehr leichtgängig und liest sich schnell runter. Gut verständlich mit Metaphern aus quasi jedem Lebensbereich, daß auch wirklich jeder folgen kann. Aber überzeugt hat mich das oft gelobte “Standardwerk des kreativen Schreibens” nicht wirklich. Rating: ★★☆☆☆

6
Mar

Type Is Art…

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Habe gerade einen wirklich netten Tipp bekommen: Type Is Art. Die englische Seite erklärt alle Teile gedruckter Buchstaben und eröffnet mit der “Mix”-Funktion ganz neue Schrift-Welten. Alle Typen-Teile sind in Größe und Position variabel; man kann ein ganzes Typen-Bild erschaffen! Immer wieder neu. Und das eigene kleine Kunstwerk kann man abspeichern und sogar als Poster bestellen – leider nicht ganz günstig: 39,-US$ + 6,-US$ Versand nach Europa… Aber schick ist schon! Und auf jeden Fall eine schöne Inspiration…

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